11.12.2009

Aar Bote "Mit Chipkarte zum Weinbankfach"

Pressestimmen

Von Bernd Minges

HATTENHEIM. Weinfreunde, die ihren Rheingauer Riesling für fünf oder sechs Euro pro Flasche kaufen, werden eher nicht die Kunden der neuen "Winebank" sein, die das Weingut Balthasar Ress eröffnet hat. Die Zielgruppe seien Weinfreaks, die optimale Lagerbedingungen für ihre Schätze suchen, und Unternehmen, die im Rheingau Gäste empfangen, erläutert Christian Ress. Der junge Winzer, der vor einiger Zeit mit Weinanbau auf Sylt Schlagzeilen machte, hat mit seinem Vater Stefan Ress ein neues Projekt realisiert, das seines Wissens nach in dieser Form einmalig ist.

Weinliebhaber können in einem umgebauten Gewölbekeller aus dem 17. Jahrhundert, der mit einem 1922 erbauten Kreuzgewölbe verbunden ist, 223 unterschiedlich große Fächer und drei begehbare Weinkeller mieten. Ein Weinfach, in dem der Bordeaux-Freund seine Raritäten aus Margaux lagert oder der Riesling-Sammler seine Auslese-Spezialitäten wohl verwahrt und versichert weiß, kostet ihn monatlich 49 Euro, wenn er nicht mehr als 35 Flaschen hat. Für ein größeres Fach für 105 Flaschen zahlt er 89 Euro, den Preis für den noch freien Keller für 5500 Flaschen verrät Christian Ress nicht. Er verfolgt die Winebank-Idee schon seit einigen Jahren. Kunden, die sich Weine mit Lagerpotenzial zulegen, seien immer wieder auf der Suche nach einem geeigneten Platz. Ein Rheingau-Fan aus Washington habe gleich einen der drei Keller gemietet.

Aber es geht nicht nur um eine technische und logistische Problemlösung. Der Weinbank-Keller, ein privater Weinkeller der Luxusklasse mit einer konstanten Temperatur von 13 Grad und optimaler Luftfeuchtigkeit, soll Treffpunkt und Ort der Kommunikation sein. Die Mieter haben Tag und Nacht mit einer persönlichen Chipkarte Zugang zum Keller, wo sie eine Theke nutzen und "nachts um vier Uhr noch eine Käseplatte bestellen können". Diese wird von Kooperationspartnern, den Gastronomen der "Diktatur des Geschmacks" geliefert, von Josef Laufers Restaurant "Zum Krug" oder Franz Kellers "Adlerwirtschaft". Die Schätze aus den Weinfächern können auch in deren Lokale mitgenommen werden, die erste Flasche ist frei, für jede weitere ist ein Korkgeld von 30 Euro zu zahlen.

Mit dem Projekt werde zugleich die "Wertigkeit des Rieslings" und seine Lagerfähigkeit untermauert, erklärt Stefan Ress. Die Pflege alter Weine sei eine Kultur, die in der angelsächsischen Welt viel stärker verankert sei.

Für Gestaltung und Umbau des Kellers waren die Architekten des Oestrich-Winkeler Büros Smp zuständig. Das Material passt zum Wein, so zum Beispiel der Boden aus Schieferplatten vom Steinbruch in Bacharach und aus Taunusquarzit. Die Aufgabe habe darin bestanden, die Weinatmosphäre nicht durch funktionale Aspekte wie Brandschutz und Fluchtwege zu beeinträchtigen, sagte Stephan Mühlhause. Am Eingang des Kellers steht ein Werk des Wiesbadener Künstlers Gabor Török, geschaffen aus Lehm aus Rheingauer Weinbergen. Für Stefan Ress gehört auch das zur Weinkultur.


WEINGUT

Das Hattenheimer Weingut wurde 1870 vom Hotelier Balthasar Ress gegründet. Mit 43 Hektar Rebfläche ist es eines der größten Familiengüter im Rheingau.

In diesem Jahr legte Christian Ress den nördlichsten deutschen Weinberg in Keitum auf Sylt an.