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06.06.2009Sylter Rundschau - "Sylter Rebe: Edler Tropfen aus Keitum" |
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Sylter Rebe: Edler Tropfen aus Keitum
Keitum/mst - Die Hanglage, unverkennbares Merkmal für ein Weinanbaugebiet, ist auf den ersten Blick kaum zu erkennen; allein schon, weil es von der Hauptstraße aus zunächst bergab geht. Und doch erfährt dieses kleine Stück Keitumer Land unweit der St.-Severin-Kirche spätestens seit dieser Woche bundesweit Beachtung bei Wein-Experten.
Weißwein von Sylt, dazu noch angebaut von professionellen Winzern aus dem Rheingau - eine bemerkenswerte Geschichte. Allein, noch ist nichts in Flaschen abgefüllt, nur die etwas über 1600 Rebstöcke, die sind schon gepflanzt. Zur offiziellen Einweihung des "nördlichsten Weinanbaugebiets Deutschlands" am Donnerstag schien immerhin die Sonne auf die noch jungen Pflanzen.
Überzeugt sind die Protagonisten aber schon jetzt von ihrem Weißwein der Sorten Solaris und Riva, auch wenn Winzer Christian Ress (35) zugibt, dass die Idee "mehr so eine Spielerei war". Der Hang, der eigentlich eine Mulde ist, sei bewusst gewählt worden. "Um der steifen Briese zu trotzen."
In drei Jahren soll die 3000 Quadratmeter große Fläche den ersten kommerziell angebauten Sylter Wein hervorbringen, sein Name "55 Grad", entsprechend dem Breitengrad der Lage. "Wir wollten nicht immer nur Wein für die Insel produzieren, sondern auch mal Wein von der Insel", erklärt Ress die hinter dem Weinanbau auf Sylt stehende Idee. Zugute kam ihm daei die neue Weinverordnung des Landes Schleswig-Holstein, wonach seit Ende Mai zehn Hektar im nördlichsten Bundesland für den Weinanbau genutzt werden dürfen. Mit 0,3 Hektar hat REss den kleinsten Teil mit der wohl größten Aufmerksamkeit bekommen.
Langfristig wollen er und sein Team zwei Mal im Jahr nach Sylt kommen: "Für den Rebschnitt und die Ernte". Für die darüber hinaus anfallenden Pflegearbeiten suche man sich Partner vor Ort. Dass die Flächen überhaupt für den Weinanbau geeignet sind, ist von Wein-Experten in Gutachten hinreichend belegt worden. "Sylt ist von den Böden her mit Föhr vergleichbar", sagt Ursula Linssen, Weinsachverständige des Landes, wenngleich sie einordnet: "Die besten Flächen liegen in Ostholstein, wegen der Hanglage."
Davon jedoch lassen sich echte Fans nicht abschrecken. Elisabeth Warnecke (85) aus Wenningstedt hat wie 150 weitere Interessenten bereits ihre eigene Rebe auf dem Feld gepachtet. Den daraus resultierenden Wein werde sie "in vollen Zügen genießen".