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20.09.2011

Wiesbadener Kurier "Melancholie auch an hellen Tagen"

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LESUNG Rheingau Literatur Festival mit Zsuzsa Bank

Von Richard Lifka

HATTENHEIM. In der imaginären süddeutschen Kleinstadt Kirschblüt wohnen in den 60er Jahren drei Familien, deren Schicksale sich miteinander verweben. Drei alleinerziehende Mütter. Zwei Mädchen und ein Junge wachsen auf in einer scheinbar hellen, heilen Umgebung, in der die Natur den Jahreszeitenwechsel vorgibt.

Mit jedem Sommer verändern sie sich, reifen, werden älter. Im Zuge dessen mehren sich die Konflikte, werden aus unbekümmerten Kindern Erwachsene, fallen Schatten auf die unbeschwerte Zeit. Zsuzsa Bank lässt die Geschichte von einem der beiden Mädchen in der ersten Person erzählen. Sie schildert die Verhältnisse im Ort, aber besonders das Leben ihrer Freundin Aja und des Jungen Karl. Es war nicht geplant, dass die Kindheitsschilderungen einen so großen Teil des Romans einnehmen, sagte die Autorin im Rahmen des Rheingau Literatur Festivals Ihr war es wichtig, herauszubekommen, wann und vor allem wie der Umbruch stattfindet. Wann dieser verdrehte Blick auf die Welt sich ändert. Klar und verständlich, mit unaufgeregter, sympathischer Professionalität antwortete die Frankfurter Schriftstellerin auf die Fragen der Moderatorin Ruth Fühner. Nachdem die Autorin dem Publikum im vollbesetzten Saal des Hattenheimer Weinguts Balthasar .Ress eine kurze Einführung in die Geschichte gegeben hatte, las sie aus zwei Kapiteln vor. Auffallend, auch beim Hören, die poetische Kraft der Sprache, die Melodie des Textes, die sich der Handlung anpasst und eine ganz eigene Stimmung heraufbeschwört. Gespannte Stille vom ersten bis zum letzten Wort, die nur durch ständiges Klacken des Mikrofons gestört wurde. Nach ihrem Debüt „Der Schwimmer" (2002) und dem Erzählband „Heißester Sommer" (2005) legt Zsuzsa Bank mit „Die hellen Tage" ein melancholisches Werk vor, das das Leben dreier Menschen von ihrer Kindheit bis zum Alter von etwa 35 Jahren beschreibt und das von wahrer Freundschaft und tief empfundener Liebe aber genauso von Enttäuschung und Verrat erzählt.

Nach den beiden Kostproben muss man dieses Buch weiterlesen, muss erfahren, wie sich diese Beziehungen weiterentwickeln.


(Wiesbadener Kurier
(Wiesbadener Kurier "Melancholie auch an hellen Tagen")
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