Einen eigenen Rebstock pachten

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29.12.2006

Wiesbadener Tagblatt

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Frische-Kick vom Riesling

ELTVILLE Vor Weihnachten und Silvester schnellt der Sektverkauf bei vielen Rheingauer Winzern, im Lebensmittelhandel und bei Discountern in die Höhe. Nicht so bei der Sektmanufaktur Schloss Vaux in Eltville. Deren Geschäft ist auf solche Ereignisse nicht zugeschnitten.

Zum Jahresende wird es bei der kleinen feinen Sektkellerei in der Kiedricher Straße in Eltville zwar auch noch einmal etwas hektisch, sagt Nikolaus Graf von Plettenberg, Alleinvorstand der Schloss Vaux Aktiengesellschaft. Aber im Vergleich zu Supermärkten und Fachgeschäften geht es beschaulich zu, die Kunden decken sich das ganze Jahr über mit den Erzeugnissen von Schloss Vaux ein.

Internationaler Geschmack

Die Hälfte des Absatzes, mehr als früher, geht ohnehin an Wiederverkäufer, an den Fachhandel, an Karstadt, Kaufhof-Galeria, gehobene Gastronomie oder Edel-Caterer. Die preisgünstigste Flasche kostet zehn Euro: eine Cuvée, deren 85-prozentiger Anteil von Weißburgunder und weiß gekeltertem Spätburgunder für das internationale "weiche Geschmacksbild" verantwortlich sei. Dazu komme Riesling, der dem Sekt den "Frische-Kick" verleiht, sagt Graf von Plettenberg. Als Schloss Vaux-Chef und Vizepräsident des Deutschen Sektverbands freut er sich darüber, dass die Nachfrage insgesamt wieder aufschäumt. "Der Konsum hinkt dem Aufschwung etwas hinterher", meint er.

Mit einem Durchschnittsverbrauch von fünf bis sechs Flaschen pro Bundesbürger und Jahr sei der deutsche Sektmarkt weltweit der größte. Mit derzeit 3,8 Liter liegt der Durchschnittsverbrauch aber deutlich unter den Werten der 90-er Jahre.

Mit einem "stetigen, bescheidenen Wachstum" in den vergangenen Jahren und einem Jahresabsatz von 245000 Flaschen ist Graf von Plettenberg zufrieden. Der Premium-Bereich sei nur eine Nische. In dieser Nische setzt Schloss Vaux verstärkt auf Lagensekte, die alle aus dem Rheingau kommen. Die Grundweine werden von Langwerth von Simmern, Robert König, Schloss Reinhartshausen, Balthasar Ress, den Staatsweingütern und Nägler in Rüdesheim erzeugt. "Wir bezahlen dafür viel Geld", sagt der Sektchef. Kellermeister Markus Hess gehe selbst in die Weinberge und bestimme mit den Betrieben den besten Lesezeitpunkt.

Dass in der Weinwelt der Terroir-Gedanke wieder stärker in den Vordergrund rückt - der besondere Einfluss von Boden und Kleinklima der jeweiligen Lage - liege genau auf der Linie von Schloss Vaux. Zu Rheingauer Renommierlagen wie Marcobrunn oder Assmannshäuser Höllenberg soll demnächst auch der Rüdesheimer Berg Schlossberg dazu kommen. Mit den charakteristischen Eigenschaften der jeweiligen Lage könne Sekt auch verstärkt als Speisebegleiter punkten.

Eine Flasche Marcobrunn aus dem Hause Vaux kostet 28 Euro. Ausgehend von aktuellen Angeboten im Silvestergeschäft könnte der Sektfreund für diesen Betrag auch sieben Flaschen Henkell trocken, neun Flaschen Rotkäppchen oder immerhin noch vier Flaschen Rheingauer Winzersekt kaufen - ein Vergleich, über den Graf von Plettenberg nur schmunzelt.

Es seien vor allem die Qualität und die ausgeprägte Typizität der Grundweine, die den Preisunterschied rechtfertigen, meint der gelernte Diplom-Kaufmann, der seit 1998 die Geschäfte des Eltviller Unternehmens führt und zuvor schon viele Jahre in der Weinbranche tätig war. Ein Marcobrunn-Lagensekt könne locker in der Champagner-Liga mitspielen und habe noch den Vorteil, dass er wie die anderen Lagensekte filigraner und fruchtiger als Champagner sei, wirbt der Sektvorstand für seine Produkte. "Schloss Vaux ist für diejenigen, die es sich leisten können, keinen Champagner trinken zu müssen", lautet ein Standardspruch des Diplom-Kaufmanns.

Weißer SpätburgunderDie 1868 in Berlin gegründete Firma, die seit 1920 ihren Sitz in Eltville hat, ist seit 1987 eine Aktiengesellschaft mit rund 55 Aktionären und derzeit elf Mitarbeitern (7,5 Vollzeitstellen). Schloss Vaux ist geschäftsführende GmbH der Kommanditgesellschaft, die die Burg Crass wieder zu neuem Leben erweckt hat.
Die Gastronomie in dem Schmuckstück am Rhein, die zuerst von Hubert Allert und inzwischen vom neuen Pächter "Food Affairs" betrieben wird, laufe "unaufgeregt gut", sagt der Chef der Sektkellerei, der an Silvester einen Blanc de noirs aus Assmannshausen, einen weiß gekelterten Sekt aus Spätburgunder-Trauben genießen will.

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